Das bundesweite Netzwerk der Begleitservices im ÖPNV wurde im Januar 2016 auf der ersten bundesweiten Fachtagung „Begleitservices im öffentlichen Nahverkehr“ in Berlin gegründet.

 

Die Presseinfo "Bundesweites Netzwerk „Begleitservices im ÖPNV“ gegründet" finden Sie hier.

Es wurde ein gemeinsames Positionspapier verabschiedet, das einheitliche Standards und Rahmenbedingungen zur Finanzierung anstrebt. Das gemeinsam beschlossene Positionspapier finden Sie hier.

Anlässlich des zweiten bundesweiten Treffens in Saarbrücken im Februar 2018 wurde dieses Positionspapier per Akklamation beschlossen mit der Maßgabe, noch einen Punkt zum ehrenamtlichen Engagement mit aufzunehmen (siehe Punkt 9).

 

Positionen der Begleitdienste in Deutschland

 

1. Begleitservices im ÖPNV unterstützen erfolgreich mobilitätseingeschränkte Menschen bei der selbstbestimmten Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und erweitern damit die Möglichkeiten der Mobilität und den Aktionsradius der Betroffenen. Sie verstehen sich nicht als Ersatz für die Herstellung von Barrierefreiheit im Öffentlichen Raum, die nach der UN-Behindertenrechts-konvention (UN-BRK) ein Ziel von politischem Handeln auf allen Ebenen sein muss. Aber sie ermöglichen vielen Menschen, die sonst nicht mehr aus dem Haus kämen bzw. den ÖPNV nur eingeschränkt nutzen könnten, die Teilnahme am sozialen Leben – auch ohne eigenes Auto.

2. Dieses niedrigschwellige, für die Nutzer*innen kostenlose und sehr flexible Instrument wirkt als Teil des in Artikel 20 der UN-BRK formulierten Sicherstellungsauftrages einer persönlichen Mobilität in größtmöglicher Unabhängigkeit.

3. Die Tätigkeit der Mitarbeiter*innen der Begleitservices ist ein öffentlich sichtbares Zeichen der Sozialverantwortung einer Stadt, einer Kommune oder eines Bundeslandes.

4. Die Organisation, Ausrichtung und konsequente Umsetzung der Begleitservices im ÖPNV als zusätzliche, überwiegend arbeitsmarktfinanzierte Dienstleistung entspricht dem Bewusstsein der hohen Anforderungen und der Verantwortung gegenüber den mobilitätseingeschränkten Kund*innen und den beschäftigten Kolleg*innen.

5. Im Erleben und Bewusstwerden dieser sinngebenden Arbeit erfahren beide sonst benachteiligten Akteure eine direkte Aufwertung, zu der die Begleiter*innen im ÖPNV selbst viel beitragen.

6. Die sich daraus ergebende hohe Motivation für einen Großteil der Beschäftigten fördert nach einer ausreichenden Beschäftigungsdauer sowohl die Vermittlungschancen in den Ersten Arbeitsmarkt als auch die Möglichkeit der sozialen Teilhabe der Kund*innen. Dazu trägt auch die dienstleistungsorientierte, viel Motivation und Qualifizierung verlangende Gestaltung der Arbeit in den Begleitservices bei.

7. Ziel der Politik sollte es sein, Mobilität und Begleitservices im ÖPNV so zu organisieren, dass es möglich wird, ohne Auto quer durch Deutschland oder Europa zu reisen, auch wenn man mobilitätseingeschränkt ist. Deutschland braucht eine flächendeckende Versorgung mit Begleitdiensten.

8. Begleitservices sollten nicht nur in den städtischen Räumen angeboten werden, auch wenn sie dort zunächst weiter ausgebaut werden müssen. Zugleich muss es auch darum gehen, ländliche Räume für Mobilitätsdienste zu erschließen.

9. Entsprechend den lokalen Gegebenheiten und kommunalen gemeindlichen Strukturen sollten Konzepte entwickelt werden, die ÖPNV-Begleitservices sowie ehrenamtliches Engagement für ein noch umfassenderes Mobilitätsangebot verbinden. Gerade ehrenamtliches Engagement kann es ermöglichen, lokale und flexible Bedienformen zu entwickeln, die auch für Einzelfälle passend funktionieren.

10. Das Bundesnetzwerk der Begleitservices im ÖPNV unterstützt die Vorschläge zur Schaffung eines sozialen Arbeitsmarktes über das Programm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“. Wir regen an, für die Umsetzung des sozialen Arbeitsmarktes die erfolgreich praktizierte arbeitsmarktorientierte Struktur der Begleitservices im ÖPNV modellhaft zu nutzen und stehen als erfahrene Ansprechpartner*innen zur Verfügung.

 

Zweite bundesweite Fachtagung der Begleitservices im ÖPNV

 

Saarbrücken, den 21. Februar 2018

Partner im Bundesnetzwerk
der Begleitservices im ÖPNV (Stand Februar 2018)

  • mobisaar - Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso), Saarbrücken

  • MobilLotsen - GVB Verkehrs- und Betriebsgesellschaft Gera mbH, Gera

  • DSW21 - Dortmunder Stadtwerke AG, Dortmund

  • NimmBus - Verkehrsgesellschaft Kreis Unna mbH (VKU), Kamen

© 2017 Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V.